Warum überhaupt weg von GA4?
Kurze Anmerkung vorweg: Das Folgende ist unsere Einordnung der öffentlichen Rechtslage, keine Rechtsberatung. Wenn du eine verbindliche Einschätzung für dein Unternehmen brauchst, frag eine Datenschutz-Kanzlei.
Die Rechtslage rund um Google Analytics ist seit 2022 unruhig. Die österreichische Datenschutzbehörde entschied Ende Dezember 2021 (öffentlich bekannt geworden am 13.01.2022) als erste von mehreren europäischen Aufsichtsbehörden, dass der fortlaufende Einsatz von Google Analytics gegen Art. 44 DSGVO verstößt: personenbezogene Daten (IP-Adresse, eindeutige IDs, Browser-Parameter) wandern in die USA, ohne dass es dafür eine ausreichende Schutzgrundlage gab. Die französische CNIL zog am 10.02.2022 nach und bewertete die GA-Datenübermittlung in die USA ebenfalls als rechtswidrig, mit der Aufforderung, betroffene Setups innerhalb eines Monats umzustellen. Im Juni 2022 kam die italienische Garante mit einer eigenen Entscheidung gegen ein GA-Setup und einer flankierenden allgemeinen Stellungnahme hinzu.
Der Hintergrund war das Schrems-II-Urteil des EuGH, das den vorherigen “Privacy Shield” als Übermittlungsgrundlage kassiert hatte. Seit Juli 2023 gibt es mit dem EU-US Data Privacy Framework (DPF) eine neue Angemessenheitsentscheidung, die GA4 und vergleichbaren US-Tools wieder eine rechtliche Grundlage für die Datenübermittlung geben soll, sofern der jeweilige Anbieter zertifiziert ist.
Wie belastbar diese Grundlage 2026 noch ist, ist offen. Eine erste direkte gerichtliche Anfechtung des DPF wurde im September 2025 vor dem Gericht der EU abgewiesen und liegt inzwischen in Berufung beim EuGH. Nach einer Entscheidung des US Supreme Court im Juni 2026, die die Unabhängigkeit der FTC-Kommissare relativiert (ein Pfeiler der DPF-Angemessenheitsentscheidung), hat noyb öffentlich eine neue Klage gegen das DPF angekündigt, informell als “Schrems III” bezeichnet. Zum Zeitpunkt dieses Artikels war diese Klage nach unserer Kenntnis noch nicht eingereicht, nur angekündigt. Das heißt konkret: Das DPF gilt aktuell fort, aber die Situation ist umkämpft und kann sich innerhalb von Wochen ändern. Wer heute eine Entscheidung trifft, sollte das im Hinterkopf behalten, statt sich auf eine dauerhaft stabile Rechtsgrundlage zu verlassen.
Unabhängig von der Übermittlungsfrage bleibt eine zweite, komplett separate Baustelle: die Einwilligungspflicht für Cookies und vergleichbare Speicherzugriffe. In Deutschland regelt das mittlerweile das TDDDG (die Nachfolge-Bezeichnung des TTDSG), aber die inhaltliche Regel in §25 ist unverändert dieselbe: Wer Informationen auf dem Endgerät eines Nutzers speichert oder ausliest, braucht vorherige Einwilligung, außer es ist technisch zwingend notwendig. GA4 fällt nicht unter die Ausnahme. Sprich: Auch wenn das DPF Bestand hätte, bräuchtest du für GA4 in der EU weiterhin einen Consent-Banner.
Dazu kommt die praktische Seite: GA4 ist kostenlos, aber der Umbau von Universal Analytics auf das ereignisbasierte Datenmodell hat viele Setups komplizierter gemacht, als sie sein müssten, für alle, die einfach nur “wie lief die Woche” wissen wollen.
Worauf es bei einer Google-Analytics-Alternative ankommt
Bevor die Liste kommt, die Kriterien, an denen wir jede Alternative gemessen haben:
- EU-Hosting. Wo liegen die Daten physisch, und verlassen sie die EU?
- Cookielos per Default. Brauchst du trotzdem einen Consent-Banner, oder nicht?
- Preis-Einstieg. Was kostet der erste bezahlte Tarif, und was bekommst du dafür an Volumen?
- Custom Events. Kannst du mehr als reine Pageviews tracken, idealerweise auch server-seitig?
- Open Source vs. proprietär. Für manche ein Dealbreaker in die eine, für andere in die andere Richtung.
Keines der Tools unten gewinnt in jeder Kategorie. Das ist auch der Punkt dieses Artikels.
Die 7 Alternativen im Vergleich
1. Plausible
Der meistgenannte Grund, warum Indie-Gründer von Google Analytics wegwechseln. Open Source (AGPL), EU-gehostet in Deutschland, ein Dashboard, das als Referenz für aufgeräumte Analytics-UIs gilt. Kein Cookie-Banner nötig, weil Plausible standardmäßig cookielos arbeitet.
Preis-Einstieg: Kein dauerhaft kostenloser Tarif, 30-tägige Testphase. Danach $9/Monat für 10.000 Pageviews, $19/Monat für 100.000. Hosting: EU, Deutschland.
2. Matomo
Die DSGVO-Premium-Suite. Open Source seit 2007 (damals als Piwik), mit Heatmaps, Session-Recordings, A/B-Tests und Form-Analytics obendrauf, wenn du mehr als reines Pageview-Tracking brauchst. Cookielos ist konfigurierbar, aber nicht der Default.
Preis-Einstieg: 21-tägige Testphase, kein Free-Tier. Danach €29/Monat im Einstiegstarif für 50.000 Hits (die Tarifnamen ändert Matomo gelegentlich, aktuell “Starter”). Hosting: Matomo Cloud läuft in der EU, alternativ komplett selbst hostbar. Für den exakten Rechenzentrums-Standort der Cloud-Variante lohnt sich ein Blick auf Matomos eigene Seite, da sich das je nach Tarif unterscheiden kann.
3. Pirsch
Das günstigste glaubwürdige EU-gehostete Analytics-Tool mit Dashboard. Deutsches Team (emvi Software GmbH, Rheda-Wiedenbrück), schlankes Produkt, mit einem eingebauten “AI”-Referrer-Channel, der Besucher zusammenfasst, die aus ChatGPT oder Perplexity auf deine Seite klicken.
Preis-Einstieg: 30-tägige Testphase, kein Free-Tier. Danach $6/Monat Standard für 10.000 Pageviews. Hosting: Deutschland.
4. Fathom
Der Ästhetik-Player. Seit 2018 konsequent bei einem Ein-Seiten-Dashboard geblieben, das bis heute als eines der schönsten im Markt gilt. Öffentliche, teilbare Dashboards mit einem Klick. Unbegrenzte Datenaufbewahrung in den bezahlten Tarifen.
Preis-Einstieg: Kein Free-Tier, kostenpflichtig nach einer Testphase. Ab $15/Monat für 100.000 Pageviews. Hosting: EU-isoliertes Hosting als Option buchbar, Standard ist Shared US/EU.
5. Simple Analytics
Die radikal minimalistische Variante: nur Pageviews und Referrer, bewusst ohne alles andere. Niederländisches Team, EU-gehostet in Amsterdam. Wenn “ich will nur wissen, wie viele Leute da waren, sonst nichts” deine Anforderung ist, ist das genau die Philosophie dieses Tools.
Preis-Einstieg: Einstieg um die $9/Monat für 100.000 Pageviews nach einer kurzen Testphase. Das genaue Preismodell (ob und in welcher Form es aktuell einen dauerhaft kostenlosen Tarif gibt) hat sich zuletzt verändert, den aktuellen Stand findest du direkt auf simpleanalytics.com. Hosting: Niederlande.
6. Umami
Der Open-Source-Liebling. MIT-lizenziert, damit die freizügigste Lizenz in dieser Liste, komplett selbst hostbar, aktive Community. Wenn dir “ich kontrolliere meinen eigenen Stack” wichtiger ist als alles andere, ist Umami die naheliegende Wahl.
Preis-Einstieg: Umami Cloud hat einen kostenlosen Tarif mit begrenzter Site-Zahl, der bezahlte Einstieg liegt bei rund $20/Monat für ein größeres Event-Kontingent. Die genauen Schwellenwerte variieren je nach Quelle und Zeitpunkt, am verlässlichsten ist ein Blick auf umami.is direkt vor dem Vertragsabschluss. Hosting: Cloud läuft standardmäßig auf AWS in den USA, eine EU-Region ist wählbar; selbst gehostet kannst du den Standort frei bestimmen.
7. mcp-analytics (unser Weg — offen gesagt)
Und jetzt zu uns, mit offenen Karten: mcp-analytics ist unser eigenes Produkt, und wir haben natürlich ein Interesse daran, dass du es ausprobierst. Trotzdem versuchen wir, hier so ehrlich zu sein wie über die anderen sechs.
Der Unterschied zu allen oben ist strukturell, nicht nur graduell: Wir haben kein Dashboard. Das primäre Interface ist ein MCP-Server, 23 Tools, den du in Claude, ChatGPT, Cursor oder einem anderen MCP-Client als Connector einrichtest und dann in normaler Sprache fragst, statt eine Web-Oberfläche zu öffnen. “Wie lief mysite.de letzte Woche?” wird zu einer Antwort im Chat, nicht zu fünf Klicks durch Reports. Wenn du keinen dieser Clients täglich nutzt, ist das kein Vorteil für dich, sondern schlicht der falsche Interface-Weg — das sagen wir lieber vorher als nach dem Onboarding.
Was DSGVO angeht, stehen wir auf dem gleichen Fundament wie Plausible, Pirsch und Matomo: EU-Hosting in Deutschland, Daten verlassen nie die EU, cookielos im Strict-Modus (täglich rotierender Salt, keine persistenten Visitor-IDs), was in den meisten Fällen ohne Consent-Banner auskommt. Unser Differenzierer ist eine 8-Klassen-Traffic-Taxonomie, die neben menschlichen Besuchern auch AI-Crawler (ai_training, z. B. GPTBot oder ClaudeBot), AI-Suchsysteme (ai_search) und AI-gesteuertes Browsing im Auftrag eines Nutzers (ai_user_action) sauber trennt, statt sie wie die meisten anderen Tools still herauszufiltern. Das entsprechende Tool heißt traffic_class_breakdown, daneben gibt es top_user_agents für den Blick auf einzelne Bots. Der komplette Tool-Katalog liegt unter /mcp/tools.
Preis-Einstieg: Free für immer bis 100.000 Hits/Monat, unbegrenzte Sites, keine Kreditkarte nötig. Pro kostet €19/Monat für 10 Millionen Hits, Enterprise startet ab €299/Monat. Hosting: EU, Deutschland, gebaut von der Spreenovate GmbH (Berlin).
Ausführliche Feature-für-Feature-Vergleiche mit einzelnen Tools aus dieser Liste (inklusive der Punkte, an denen die anderen gewinnen) findest du unter /de/vs/pirsch, /de/vs/fathom, /de/vs/matomo und /de/vs/google-analytics.
Vergleichstabelle
| Tool | Preis-Einstieg | EU-Hosting | Cookielos | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Plausible | Kein Free-Tier, ab $9/Mo | Ja (Deutschland) | Ja, per Default | Open Source, elegantestes Dashboard |
| Matomo | Kein Free-Tier, ab €29/Mo | Ja (EU-Cloud/self-hosted) | Konfigurierbar | Heatmaps, Session-Recordings, A/B-Tests |
| Pirsch | Kein Free-Tier, ab $6/Mo | Ja (Deutschland) | Ja, per Default | Günstigster EU-Einstieg, AI-Referrer-Channel |
| Fathom | Kein Free-Tier, ab $15/Mo | EU-isoliert optional | Ja, per Default | Schönstes Single-Page-Dashboard |
| Simple Analytics | Ab ca. $9/Mo | Ja (Niederlande) | Ja, per Default | Radikal minimalistisch, nur Pageviews/Referrer |
| Umami | Cloud-Free-Tier vorhanden | US-Default, EU wählbar; self-host frei | Ja, per Default | MIT-Lizenz, self-hostbar |
| mcp-analytics | Free bis 100k Hits/Mo | Ja, immer (Deutschland) | Ja, im Strict-Modus | MCP-natives Interface, AI-Traffic-Taxonomie |
Welche Alternative passt zu wem?
- Du willst ein Dashboard, das ein nicht-technischer Kollege in 30 Sekunden versteht: Plausible oder Fathom.
- Du brauchst Heatmaps, Session-Recordings oder A/B-Tests dazu: Matomo.
- Du hast wenig Traffic und willst am wenigsten zahlen: Pirsch.
- Du willst so wenig Tool wie möglich, nur Pageviews und Referrer: Simple Analytics.
- Open Source und Self-Hosting sind dir wichtig: Umami, oder Matomo, wenn du die Premium-Features brauchst.
- Du lebst sowieso schon in Claude, ChatGPT oder Cursor und willst deine Stats dort abfragen, statt einen weiteren Tab offen zu halten: das ist unser Fall, mcp-analytics.
Kein Eintrag hier ist objektiv “der Gewinner”. Die richtige Wahl hängt davon ab, ob du ein Dashboard willst oder nicht, und ob du Premium-Features wie Heatmaps brauchst oder nicht.
Transparenz zu unserer Empfehlung
Dieser Artikel ist von uns geschrieben, und wir verkaufen eines der sieben Tools in dieser Liste. Wir haben trotzdem versucht, die anderen sechs fair darzustellen, weil wir glauben, dass ein Listicle, das nur die eigene Lösung schönredet, seinen Zweck verfehlt, dich informiert zu entscheiden. Die Preis- und Hosting-Angaben oben stammen primär aus unseren eigenen, öffentlich einsehbaren Vergleichsseiten und wurden dort, wo aktuelle Web-Recherche einen abweichenden Stand nahelegte, bewusst vage gehalten statt eine falsche Zahl zu behaupten. Prüf vor einer Kaufentscheidung immer die aktuelle Pricing-Seite des jeweiligen Anbieters direkt.
Wenn du unseren MCP-Weg ausprobieren willst: kostenlos anmelden, 100.000 Hits/Monat, keine Kreditkarte. Wenn du eine der anderen sechs Alternativen wählst, war dieser Artikel trotzdem seine Zeit wert, wenn er dir die Entscheidung erleichtert hat.